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Freitag, 2. Oktober 2009

transnaturale 2009

 

 

 

 
Posted by Picasa

Donnerstag, 11. Juni 2009

thomas mann »der zauberberg« gesehen am 8.6.09 - schauspielhaus dresden - letzte vorstellung

»Merkt auf, jetzt fängt die Geschichte an, und wenn sie zu Ende erzählt ist, wissen wir mehr als jetzt«, so lässt es sich leicht verführen in eine Geschichte, die nicht zufällig wie ein Märchen beginnt. Denn hier kommt man an einem sonderbaren Ort an, der weit abgelegen, viele hundert Meter über dem Meeresspiegel ein ganz anderes Klima zum Atmen bietet und nicht zufällig »Zauberberg« heißt. Hier landet man in einem großen Speisesaal, in dem sich lauter skurrile Menschen versammeln, deren Lungen das andere Klima denn auch bitter nötig haben. Und in dieser merkwürdigen Abgeschlossenheit kann es einem passieren, dass man statt geplanter vierzehn Tage ganze sieben Jahre hier oben verweilen wird – und nicht nur aus Krankheitsgründen. Wie Hans Castrop, der eigentlich nur zum Besuch seines lungenkranken Vetters angereist war, schnell aber die Zauberformel auf diesem Berg findet: Man ändert hier seine Begriffe. Wer sich für ein Bleiben auf dem Berg entschlossen hat, wird dafür reichlich belohnt. Eben wie in einem Märchen. Man reist durch glitzernde Bergmassive, genießt die verströmende Kälte und tanzt auf zugefrorenen Eisflächen. Dabei begegnet man Zwergen, schönen Russinnen, italienischen Aufklärern oder vitalen holländischen Kaffeepflanzern. Und hat das Gefühl, dass diese Reisen und alle Begegnungen nie mehr aufhören werden. Zeit und Pflicht, Ordnung und Disziplin scheinen sonderbar aufgehoben. Wie verstoßen weiß man am Ende dann vielleicht ein wenig mehr: über das Leben, den Tod, den Tag, die Nacht, das Wachen und das Träumen.
»Der Zauberberg« von Thomas Mann ist der ideale Zauberstoff für die Bühne – und liegt denn nun auch endlich in einer eigens für die Bühne bearbeiteten Fassung vor. Nichts hat er darin verloren von der Mystik und Abenteuerhaftigkeit des großen Lebenspanoramas, das Thomas Mann in seinem Roman auf wunderbare Weise entfaltet.

Regie Holk Freytag
Bühne und Kostüme Mayke Hegger
Komposition und Musikalische Leitung Otto Beatus
Choreografie Anne Retzlaff
Mit Christine Hoppe, Vera Irrgang, Regina Jeske, Marianna Linden, Iris Maier, Gerlind Schulze, Friederike Tiefenbacher, Helga Werner, Frank Genser, Dirk Glodde, Holger Hübner, Lars Jung, Jochen Kretschmer, Günter Kurze, Philipp Lux, Viktor Tremmel und Komparserie
Musiker Maria Geißler, Christine Seifert und Dietrich Zöllner


Theaterrezension
Von Heinz Arnold, Dresden
unter: http://www.theaterportal.de/rezensionen_arnold#zauberberg

Der Zauberberg
Dresdner Schauspielhaus
Premiere am 22. März 2003, Wiederaufnahme in der Spielzeit 2004/5
Es ist natürlich ein Wagnis, eine Bühnenversion von Thomas Manns „Zauberberg“, einem tausendseitigen, tiefsinnigen Roman, herzustellen und in Szene zu setzen. Die Künstler des Dresdner Staatsschauspiels stellten sich dieser Aufgabe, griffen nach einer Bearbeitung von Vera Sturm und Hermann Beil, und unter der Regie von Holk Freytag entstand eine interessante und sehenswerte Inszenierung – mit Zwischenmusik (Otto Beatus) und einer Tanzeinlage (Anne Retzlaff).

Als „Kultur- und Epochenroman“ hat Thomas Mann das Werk bezeichnet, und auch der Begriff „intellektueller Roman“ stand ihm zu Gebote. Diese Bezeichnungen verweisen auf die geistigen, besonders die kultur- und moralphilosophischen, aber auch auf medizinische sowie soziale Leitlinien, die den Romane durchdringen, und sie beziehen sich auch auf die diesem Werke eigentümliche essayistische Substanz. Dem Schriftsteller gelingt es, durch wissenschaftlich aufbereitete Stoffe, Vorträge zum Beispiel oder Beiträge in öffentlichen Diskussionen oder privaten Unterhaltungen, zur Charakterisierung der sprechenden oder zuhörenden Figuren beizutragen, und die beiden Bearbeiter nutzen diese Elemente zum Aufbau dramatischer Szenen.

Hans Castorp. der aus einer hanseatischen Familie stammende Absolvent eines Technikums, ist mannigfaltigen gelehrten Einflüssen ausgesetzt. Er will für drei Wochen seinen lungenkranken Vetter Joachim Ziemßen in einem graubündner Sanatorium besuchen, bleibt dort aber sieben Jahre lang. Der Berghof kann als Blocksberg, als Venusberg, als Hades oder als Tollhaus erlebt werden. Hans Castorp selbst fühlt sich oft als Sorgenkind, als „Zögling“ einer „pädagogischen Provinz“, der am Ende seines Aufenthalts in den Bergen unvergleichlich mehr weiß und kennt als am Beginn. Schon nach kurzer Dauer glaubt er, „älter und klüger geworden“ zu sein.

Das Theaterstück arbeitet mit der Erzählerfiktion, genauer gesagt: mit vier Erzählerinnen (Regina Jeske, Helga Werner, Gerlind Schulze, Marita Böhme), ihres Zeichens Patientinnen, die mit Hans Castorp auf dem Berghof gelebt haben und die überlebt haben. Wie Schicksalsgöttinnen vermelden sie die Ankunft Hans Castorps und seinen Auszug in den Krieg. In anderen Handlungsteilen gehören sie zu den wechselnden Gruppen von Patienten, die sich essend, trinkend, schwatzend im Speisesaal befinden und eine ständige Kulisse für die dialogisierenden Kontrahenten bilden. Das Bühnenbild mit breiten Fensterfronten und Blick auf ein gewaltiges Bergmassiv besitzt echten Schauwert (Bühne und Kostüme: Mayke Hegger). In einigen anderen Kurzszenen banalen, skurrilen bzw. makabren Charakters werden andere Nebengestalten vorgestellt und der Zuschauer bewegt sich weiter in die Atmosphäre des Zauberberges hinein. Castorp lernt einen Patientenkreis kennen, die den Zynismus gegen sich selbst kehren und einen „Verein halbe Lunge“ gegründet haben. Andererseits erscheint ihm Frau Tous-les-deux (Anja Brünlinghaus), die ihre beiden todkranken Söhne pflegt, als eine Verkörperung des Todes.

Der erste Problemkreis in Castorps weltanschaulicher Erziehung, der mit den Stichwörtern Leben, Liebe, Krankheit und Tod umschrieben werden kann, wurde relativ ausführlich vom Buch in die dramatische Adaption übernommen. Eingehend kommen Assistenzarzt Krokowski und der Chef selbst, Hofrat Behrens, zu Wort. Krokowski hält einen Vortrag über Liebe und behauptet, „Krankheit ist verwandelte Liebe“, und Behrens, mit dem Castorp viele Gespräche führt und sich als alter Angestellter des Todes weiß, bringt es auf die Formel: „Leben ist Sterben“. In der Darstellung durch Lars Jung tritt der Hofrat souverän, niemals aber blasiert auf. Er ist ein gewandter Gesprächspartner, weiß über menschliche Gebrechen in aller Offenheit und auch taktvoll zu sprechen und lässt erkennen, dass er selbst Antworten sucht. Sein Assistent (Günter Kurze) fühlt sich ganz als Adept der damals neumodischen Psychoanalyse und ist voller Stolz, von sich und seiner Wissenschaft überzeugt Als strenge Wahrerin des Anstaltsregimes ist die Oberschwester Fräulein von Mylendonk (Christine Hoppe)) allgegenwärtig.

Der Konzentration auf das Wesentliche willen entfielen Krokowskis spätere Aktivitäten, die auf spiritistische Sitzungen gerichtet sind. Castorp wird von anderen Lehrmeistern in Anspruch genommen. Der kämpferische, temperamentvolle italienische Scrittore Settembrini, geprägt vom politischen Risorgimento seines Heimatlandes und mit der progressiven Weltliteratur vertraut, will ihn erziehen zu einer dem Leben aufgeschlossenen, fortschrittsfreudigen, humanistischen Persönlichkeit.. Holger Hübner gestaltete diese Rolle mit Witz und Eindringlichkeit. Streitgespräche entstanden dabei nicht, weil der ebenbürtige, kompromisslose Gegenspieler fehlte. Die Rolle des Jesuitenprofessors Naphta, ein Totalitarist, der vehement Krieg und Terror fordert, war gestrichen worden, bis auf ein kurzes Statement, das allerdings Dirk Glodde mit Bravour über die Rampe brachte. Der Ausgang des Duells, von dem nur ein einziger Schuss zu hören war, fiel ebenfalls weg, und so wurde der Hinweis darauf unterschlagen, welche persönlichen Konsequenzen die beiden Gegner in einer Entscheidungssituation aus ihrer jeweiligen Weltanschauung gezogen haben.

(In der dramatischen Adaption einer epischen Vorlage kann der Weg des Helden nicht eins zu eins dargestellt werden. Auch empfindliche Amputationen müssen erlaubt sein. .Auf manches kann nur hingewiesen, anderes nur zitiert werden. Bedauerlich bleibt aber in diesem Falle die empfindliche Beschädigung des strukturbildenden Gerüstes.)

Fast einen permanenten Soloauftritt hatte Jochen Kretschmer als Mynherr Peeperkorn. Er gestaltete eine ungewöhnliche Sicht auf die Figur. Der imposante Lebenskünstler kommt als todkranker Mann in das luxuriöse Sanatorium. Sein materieller Reichtum erlaubt es ihm, üppige Feste zu finanzieren. Doch er will auch Liebe geben und Freundschaften schließen. Er verliert sich dabei nicht in senile Geschwätzigkeit, und der Schauspieler betont die Haltung und Disziplin, welche die Figur in ihren letzten Lebensmonaten an den Tag legt.

In den ersten Gesprächen mit Vetter Ziemßen (Michael Pyter spielt ihn sehr kompetent) als das Greenhorn aus dem Flachland, das nicht einmal seine tatsächlichen oder vermeintliche Krankheiten benennen kann. In der Folgezeit erweist er sich sehr aufgeschlossen für Bildungsgüter und Erfahrungstatsachen und wem
dieser Prozess sehr lange dauert, der erinnere sich einer Bemerkung Jean Pauls, nach der Bildungsromane deshalb so lang seien, weil Mentor und Zögling nichts versäumen und auslassen wollen. Auch die Liebe spielt in Castorps Entwicklung eine Rolle, wenn auch Tessa Mittelstaedt als Clawdia Chauchat der endgültige Abschied von Castorp viel besser gelang als die reizlose Verführung. Und noch zwei Anmerkungen. Je klüger Hans Castorp wurde, desto besser und geradezu überragend qualifizierte sich die künstlerische Leistung von Philipp Lux. Der mittlere Held, so hätte Goethe gesagt, wird in das reale Leben entlassen. In einem groß angelegten Schlussbild der Dresdner Inszenierung erscheint eine durch „pädagogische Selbstdisziplinierung“ in Jahren gereifte Persönlichkeit in ihrer tiefen Erniedrigung, im Krieg als Soldat in schlechtsitzender feldmarschmäßigen Montur und mit der Gasmaske.

Die Premiere fand am 22. März 2003 im Dresdner Schauspielhaus statt. Die Inszenierung wird in die Spielzeit 2004/2005 übernommen.

Samstag, 30. Mai 2009

die physiker (dürrenmatt) - gesehen 25.5.09 schauspielhaus dresden






Schauspielhaus Regie: Klaus Dieter Kirst



Stück:


Mitten im Kalten Krieg, als die Möglichkeit des Ausbruchs eines Atomkriegs eine reale Gefahr darstellte, schrieb Dürrenmatt seine Komödie „Die Physiker“. Darin wirft er die Frage nach der Verantwortung des Wissenschaftlers auf. Bereits nach der Züricher Uraufführung von 1962, die vom Publikum außerordentlich positiv aufgenommen wurde, bemängelten Theaterkritiker jedoch das Plakative einiger Passagen im Text. Dabei wird besonders auf den zweiten Akt verwiesen, dem tatsächlich weitestgehend die Leichtigkeit der Komödie abhanden gekommen ist und in dem neben Elementen der Tragödie auch noch manch vordergründig moralisierende Sentenz nicht zu übersehen ist.

Inszenierung:

Klaus-Dieter Kirst, der Dürrenmatts Erfolgsstück nunmehr im Dresdner Schauspielhaus auf die Bühne brachte, wirkt eben diesen Tendenzen in einer ansonsten recht gelungenen Inszenierung leider nicht entgegen.

Darsteller:

Holger Hübner, Gerhard Hähndel und Albrecht Goette machen als verrückt spielende, ihre Krankenschwestern mordende Physiker den Irrwitz der Situation erlebbar, wobei jedoch gerade Goettes genialer Möbius etwas zu belehrend-bieder bleibt, was natürlich auch mit den erwähnten Schwächen des zweiten Akts zu tun hat. Anna Katharina Muck als die alte bucklige Jungfrau von Zahnd spielt kraftvoll, auch laut. Es bedarf jedoch subtilerer darstellerischer Mittel, um das Kreuzgefährliche dieser „Irren“ zu zeigen. Als der Sympathieträger des Abends erweist sich Daniel Minetti, der den in der Sache ermittelnden Kriminalinspektor mit Leichtigkeit und Augenzwinkern gibt – ganz nach dem Motto: Egal was ich hier herausfinde, die eigentliche Katastrophe nimmt so oder so ihren Lauf.

Bühne:

Ausstatterin Ursula Müller verleiht dem Geschehen einen wirklich passenden Rahmen. Mit vergleichsweise wenig Aufwand wird aus dem in der ersten Hälfte noch lichtdurchfluteten Foyer eines „Sanatoriums“ das "Gefängnis", in das das Fräulein Doktor die prominenten Opfer zielsicher lockt.

CORPUS DELICTI gesehen im theater bautzen am 24.4.09


Deutschland im Jahr 2057. Der gesunde Menschenverstand hat, ganz buchstäblich, gesiegt. Genforschung, medizinische Früherkennung, strenge Hygienegesetze verhindern selbst den Ausbruch von Erkältungen. Mia Holl, eine junge Biologin, war bis vor kurzem durchaus Befürworterin eines Systems, das die Bürger rigide vor körperlichem Leid bewahrt. Doch seit ihr Bruder Moritz mit Hilfe eines DNA-Tests des Mordes an einer Frau überführt wurde und sich im Gefängnis umgebracht hat, ist Mia aus der Bahn geworfen. Sie hat Zweifel an Moritz’ Schuld, verwahrlost, reicht ihre Ernährungsberichte nicht mehr ein, raucht gar eine Zigarette. Die Justiz nimmt sie ins Visier, denn Mias Verhalten gefährdet das Gemeinwohl. Mia wird zum Spielball eines Schauprozesses, der die Nation in Atem hält. Ihr wichtigster Gegner ist dabei der Journalist Heinrich Kramer, dessen Buch Gesundheit als Prinzip staatlicher Legitimation ein Schlüsselwerk der herrschenden Lehre ist...
Juli Zeh wurde in Bonn geboren und studierte Jura in Passau und Leipzig, wo sie 1998 ihr 1. Staatsexamen machte. Ebenfalls in Leipzig studierte sie von 1996 bis 2000 am Deutschen Literaturinstitut, an das sie später als Dozentin zurückgekehrt ist. Zahlreiche Auslandsaufenthalte u. a. für die UN in New York und Krakau und vor allem in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina haben ihre Arbeiten geprägt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Bücherpreis, dem Rauriser Literaturpreis, dem Hölderlin-Förderpreis und dem Ernst-Toller-Preis.
Ihr erster Roman ADLER UND ENGEL ist mittlerweile in 29 Sprachen übersetzt. Ihr Roman SPIELTRIEB wurde 2006 am Hamburger Schauspielhaus für die Bühne dramatisiert. ALLES AUF DEM RASEN versammelt ihre Essays zu Gesellschaft, Politik, Recht und Literatur, die in großen deutschen Zeitungen und Magazinen erschienen sind. Für die RuhrTriennale 2007 schrieb Juli Zeh das Stück "CORPUS DELICTI", es ist ihr erstes Theaterstück. Zuletzt ist 2007 ihr neuer Roman SCHILF erschienen.
2008 erhielt sie den Jürgen Bansemer und Ute Nyssen-Dramatiker Preis für das stück "CORPUS DELICTI".

27.04.09 nathan der weise - schauspielhaus dresden



Rüstig kommt sein (Dieter Manns) Nathan auf die Bühne. Dieser Jude weiß um das Weltgeschehen und hat sich eingerichtet. Und es ist (...) die Geschichte Rechas, seiner Tochter, die doch nicht seine Tochter ist, sondern ein Christenkind, die den klugen Mann fast verzweifeln lässt. Gebeugt nähert er sich, der sonst so selbstbewusst, dem Tempelherrn (Dirk Glodde), dem Christen, der sie rettete: Dass ein Mensch einen anderen so verunsichern kann?! (...) Die Ringparabel beginnt er zögernd, leise, dann fordernd zu erzählen. (...) Manns Nathan ist einem sehr nah in seiner Hoffnung, die doch immer wieder enttäuscht wird. Und in das Spiel der anderen hat sich, auch durch Dieter Mann, keinerlei Routine eingeschlichen. Stimmig erzählt jede Figur von der schweren Kunst, Toleranz zu üben.

Samstag, 4. April 2009

kif dresden 3.4.09

der vorleser 17.00

gesehen am mittwoch den 1.4.2009 im theater oben dresden - 200. geburtstag von gogol

zum 200. geburtstag von nikolai gogol liest albrecht goette dessen wohl bekannteste und einflussreichste erzählung "der mantel" in der übersetzung von sigismund von radecki

Inhaltsangabe

Ein kleiner Beamter in Petersburg schreibt täglich Akten ab; er führt ein eintöniges, stumpfsinniges Leben, ist aber glücklich. Seine Kleider sind so abgeschabt, dass er den Spott seiner Kollegen auf sich lenkt. Eines Tages friert es ihn in seinem alten Mantel. Er geht zum Schneider, weil das Kleidungsstück an einigen Stellen durchgewetzt ist. Aber der Schneider sagt, da wäre nichts mehr zu machen, er solle sich einen neuen schneidern lassen. Das würde 150 Rubel kosten.

Akakij Akakijewitsch, so heißt der Beamte, handelt ihn auf 80 Rubel herunter, und spart sich das Geld vom Munde ab. Aber er wächst an seinem Ziel, denkt Tag und Nacht an den neuen Mantel. Schließlich ist es soweit: Voll Stolz geht zum ersten Mal damit ins Büro und wird von seinen Kollegen eingeladen, um das Ereignis zu feiern.

Akakij geht zu der Feier, trinkt ein paar Gläser Sekt und macht sich dann, da er sich langweilt, auf den Heimweg. In der Dunkelheit wird er von ein paar Räubern überfallen; der Mantel wird ihm geraubt. Ganz zerschunden und halb erfroren kommt er heim. Am nächsten Tag geht er auf Hinweis eines seiner Kollegen zu einer "bedeutenden Persönlichkeit", einem General, der sich dafür einsetzen soll, dass der Mantel wiedergefunden wird. Aber der General weist Akakij in schroffem Ton ab. Verzweifelt läuft Akakij heim. Er wird krank, und stirbt nach wenigen Tagen.

Nach seinem Tode erscheint in der Stadt Akakij als Gespenst und raubt Fremden die Mäntel. Auch den General sucht er heim, und der ist so eingeschüchtert, dass er sich ändert, seine barsche Art mildert. Das Gespenst wird dadurch friedfertig und verschwindet.

Interpretation

Die rund 30 Druckseiten lange Erzählung "Der Mantel" ist eine Allegorie auf die russischen Hoffnungen auf ein besseres Leben. Der Mantel macht Akakij zu einem anderen Menschen. Der kleine Beamte wird selbstbewusst, verändert seinen Lebensstil. Doch sein neues Glück dauert nicht länger als 24 Stunden an.

Erzählt ist die Geschichte aus traditionell-auktorialer Perspektive. Der Erzähler tritt sogar in Ich-Form auf, entschuldigt sich für seine Vergesslichkeit und unterbricht sich zuweilen. Er kennt auch die Gedanken und Gefühle der handelnden Personen.

Die Geschichte ist in einem lustigen Ton geschrieben. Diesen verdankt sie dem senilen Erzähler, seiner Vergesslichkeit und seinen vielen Abschweifungen, die an Lawrence Sternes "Tristram Shandy" denken lassen. Die Geschichte geht zwar "russisch-schwermütig" aus, ist eigentlich mit dem Tod Akakijs beendet. Doch der Erzähler fügt ein phantastisches Nachspiel an, das möglicherweise seiner eigenen Phantasie entstammt.

Gogol lässt den Leser schwanken zwischen Mitleid und Lachen. So erweckt die Verzweiflung Akakijs nach dem Herunterputzen durch die bedeutende Persönlichkeit Mitleid. Kurz danach wird die schwere Krankheit Akakijs dagegen humoristisch kommentiert: "So stark wirkt bisweilen eine dienstliche Rüge!". "Dank der großherzigen Unterstützung des Petersburger Klimas nahm die Krankheit einen rascheren Verlauf, als zu erwarten stand." Offenbar parodiert Gogol den depressiv-naturalistischen Stil, für den die russische Literatur bekannt ist.

Mittwoch, 1. April 2009

alter schlachthof - wise guys konzert mit 11180 schritten



mein zweites konzert
Songtexte von Wise Guys

kleines haus dresden - nora oder ein puppenheim (danke nina)




gesehen im kleinen haus dresden

Henrik Ibsen

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel

Premiere am 10. Oktober 2008

Die Helmers haben den Aufstieg fast geschafft. Torvald hat den Job als Bankdirektor in Aussicht, seine Frau Nora muss bald nicht mehr bei jedem Einkauf Preise vergleichen und die Kinder können abends auch schon mal allein zuhause bleiben. Zum ersten Mal gibt es ein Weihnachtsfest ohne Sorgen um Geld und Gesundheit. Darauf kann vor allem Nora stolz sein und sich freuen. Denn Sorgen hatte sie in den vergangenen acht Jahren genug. Eine Krankheit ihres Mannes musste mit einem kostspieligen Italien-Aufenthalt kuriert werden. Das Geld dafür konnte sie sich leihen und in der Zwischenzeit fast ganz zurückzahlen. Dass sie es Helmer gegenüber als ihr Erbe ausgab und die bürgende Unterschrift ihres todkranken Vaters auf dem Schuldschein selbst aufs Papier setzte, erschien ihr angesichts der drängenden Umstände als selbstverständlicher Liebesdienst und lässliche Sünde – schon vergessen, weil sicher schon vom lieben Gott vergeben.

Doch in Ibsens Universum regiert der Gott der Ökonomie. Er ist nicht lieb, er vergibt keine Schuld. Er erlässt keine Schulden.

Spieldauer 1 Stunde 45 Minuten (keine Pause)

Dienstag, 17. März 2009

frage an orchesterkenner

verdienen pauker in orchestern genausoviel wie geiger oder posaunisten?
hierzu eine kleine beobachtung vom 1.rang rechts aus gesehen:
pauker lesen in einsatzpausen zeitschriften ;-)

ein sommernachtstraum




Auch auf unserer Homepage finden Sie immer aktuelle Infos rund um das Staatsschauspiel-Dresden

William Shakespeare »Ein Sommernachtstraum«
Holger Hübner , Marc Rißmann, Caroline Hanke, Charlotte Puder und Claudia Eisinger
Foto: HL Böhme

die unfälle der liebe - sommernachtstraum shakespeare - gesehen im schauspielhaus dresden - mo 16.3.09

sz-online, 11.03.2009:

Die Unfälle der Liebe


Shakespeares meist gespielte Komödie "Ein Sommernachtstraum" erlebt in Dresden ihre Premiere.

Mit einem ungewöhnlichen Bühnenbild präsentiert sich die Dresdner Inszenierung von "Ein Sommernachts-traum". Regisseur Kay Voges lässt Shakespeares Komödie auf einem Auto-Schrottplatz spielen.

Die Geschichte. Der Schrottplatz wird zur Welt des Elfenkönigs Oberon. Hermia flieht hier her, um der Ehe mit dem vom Vater bestimmten Mann, Demetrius, zu entgehen. Sie liebt Lysander, der sie begleitet. Verfolgt werden beide von Demetrius und von Helena, deren Geliebter Lysander einst war. Bald erleben die Liebenden ein Gefühlschaos. Angerichtet hat dies Puck, der im Auftrag Oberons eigentlich die Sache in Ordnung bringen sollte. Doch nicht nur die Liebenden geraten in Verwirrungen - auch Elfenkönigin Titania und ein Handwerkertrupp.

Der Inszenierungsansatz. "Ein Sommernachtstraum" ist das bis heute am häufigsten auf den Bühnen der Welt gespielte Stück Shakespeares. In Dresden erklingt zur Inszenierung die Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, gespielt von der Dresdner Philharmonie. Regisseur Kay Voges und sein Inszenierungsteam haben sich für ihre Arbeit unter anderem die Frage gestellt, wie ein Kontrast zur Musik Mendelssohns sich so herstellen lässt, dass Musik und stückbestimmendes Thema Liebe noch schöner wirken? "Ein Autounfall steht am Beginn des Stückes, eine Erschütterung, ein Zusammenprall, die zwei Liebenden werden aus den Fahrzeugen steigen. Der Schrottplatz ist unser Kontrast zur Musik und lässt die Musik neu erklingen", erklärt Regisseur Kay Voges. md

"Ein Sommernachtstraum"
Premiere am 14. März, 19.30 Uhr, Schauspielhaus, DD
Weitere Termine bis Juni 2009 siehe Schauspielhaus-Website
Tickets ab 14 Euro unter (0351) 491 35 55


Dienstag, 20. Januar 2009

reigen in bildern








reigen

schauspielhaus dresden – 19.1.2009 – 19.30 uhr

Alle tun es: Die Dirne mit dem Soldaten, der Soldat mit dem Stubenmädchen, das Stubenmädchen mit dem jungen Herrn, der junge Herr mit der jungen Frau, die junge Frau mit dem Gatten, der Gatte mit dem süßen Mädel, das süße Mädel mit dem Dichter, der Dichter mit der Schauspielerin, die Schauspielerin mit dem Grafen und der Graf mit der Dirne. Aber Arthur Schnitzlers »Reigen«, eine Folge von zehn Dialogszenen, ist mehr als Ringelpiez mit Anfassen für Erwachsene, es ist der Tanz der Verhältnisse.

Die Uraufführung des Stücks 1920 – über zwanzig Jahre nach der Entstehung – löste einen Skandal aus und zog einen Prozess nach sich. Er endete zwar ironischerweise mit einem Freispruch für die Kunst, aber nicht für die Sexualität. Die Kunst wurde dazu verurteilt, warnende Beispiele vorzuführen, die Sexualität dazu, nur noch in der Kunst vorzukommen. Der Wunsch nach einer solchen Trennung von Kunst und Leben ist noch immer virulent.

Spieldauer: 2 Stunden (keine Pause)

Bühne: Jean Bauer
Kostüme: Leo Kulaš
Komponist: Arturo Annecchino

Es spielen
Die Dirne: Katka Kurze
Der Soldat: Thomas Martin
Das Stubenmädchen: Marianna Linden
Der junge Herr: Ahmad Mesgarha
Die junge Frau: Christine Hoppe
Der Gatte: Dirk Glodde
Das süße Mädel: Caroline Hanke
Der Dichter: Daniel Minetti
Die Schauspielerin: Hannelore Koch
Der Graf: Albrecht Goette
Violine: Maria Berge
Violine (alternierend): Eva Schützler
Blaskapelle: Dresdner Dampferband

sz-online - Lust auf Lust im Lampenlicht


 


gesehen am 19.1.2009 - 19.30 uhr - schauspielhaus dresden




sz-online, 19.01.2009:

lust auf lust im lampenlicht

Von Valeria Heintges


Die Lampen spielen eine Hauptrolle. Zwei davon baumeln im Dresdner Schauspielhaus hin und her wie übergroße Pendel einer Standuhr. Alle zehn schwingen in der Luft, als fegte ein Sturm durch die Oberbühne. Sie formen sich zu einem glutroten "W" und fahren gesammelt hoch, als der arme junge Herr sein Problem überwindet und endlich seinen Mann stehen kann. Das Süße Mädel bindet drei Lampionschlangen quer über die Bühne, als wollte sie eine Gartenlaube dekorieren. Am Ende ist die Bühne mit unzähligen Lämpchen hell erleuchtet, und die zehn Schauspieler stehen oben an der Rampe und pusten ihr Lichtlein an.

Ein Dekalog der Liebe, der Leere

Zehn Lampen, zehn Schauspieler, die sich zu zehn Paaren formen, zehn Musiker, zehn Szenen - ein Dekalog ist der "Reigen", Schnitzlers Werk über die Lust, die Leidenschaft, die Liebe, die Leere. Zehn Personen aus allen Teilen der Gesellschaft, die sich begehren und betrügen: Dirne, Soldat, Stubenmädchen, junger Herr und junge Frau, Gatte, Süßes Mädel, Dichter und Schauspielerin bis zum Grafen. Welche Ironie, dass der am Schluss den Reigen komplettiert und die Dirne besucht. Zehn Spielchen rund um den Geschlechtsakt, um das Geziere und Gezerre davor, das peinlich berührte Schweigen, die Scham und die Müdigkeit danach.

1920 war das Stück ein Skandal, eine Klage vor Gericht wert. 89 Jahre danach macht Regisseur Paolo Magelli mit seinem kongenialen Bühnenbildner Jean Bauer und Kostümdesigner Leo Kulas daraus ein hoch amüsantes und gleichzeitig abgrundtief trauriges Drama, das sichtlich auch den Schauspielern Spaß macht und vor genialen Einfällen nur so strotzt. Da könnte man zum Beispiel die Inszenierung der hervorragenden Musiker der Dresdner Dampferband beschreiben, die in den Logen sitzen, an der Rampe stehen oder wie Zuschauer dem Dichter und der Schauspielerin im Theater zusehen. Und mal augenzwinkernd ein Stück spielen, das wie Ravels "Bolero" klingt - wie oft wird der zum Untermalen des Geschlechtsakts genutzt.

Da verwickelt sich das Stubenmädchen (Marianna Linden) im Staubsaugerschlauch, da schlägt es gemeinsam mit dem jungen Herrn in Übersprungshandlung auf die Betten ein, thronen die junge Frau und ihr Gatte (Dirk Glodde) auf den Matrazen, als wären sie je allein auf hoher See unterwegs. Der Dichter (Daniel Minetti) brütet existenzialistisch über seinen Werken und spachtelt dann die Schauspielerin (Hannelore Koch) mit grüner Farbe ein, wie ein Bildhauer, der sich eben eine Muse erschafft. In dem Paar zeichnet sich Schnitzler mit der Schauspielerin Adele Sandrock. Es ist das scheinbar abgeklärteste Duo von allen, gibt vor, illusionslos das Leben zu durchschauen. Doch sie sinkt als einzige in die Knie, um zu beten, und er huldigt unbestritten dem großen Gott des Ruhms.

Unbestrittener Höhepunkt die Szene von junger Frau und jungem Herrn, die zu einem Heimspiel für Christine Hoppe und Ahmad Mesgarha wird. Im schwarzen Pelzmantel verkörpert sie diese Mischung aus Scham und Verruchtheit, die ihm, als er im entscheidenden Moment versagt, plötzlich nur noch höhnisch vorkommt. Köstlich der Dialog - purer Schnitzler! - in dem sie um den heißen Brei herumnavigieren und sich ordentlich daran die Füße verbrennen.

Doch in allen Szenen zeigt sich, dass in der menschlichen Lust auf Lust auch tiefste Tragik verborgen ist. Mag sich auch manches in den letzten 89 Jahren verändert haben, bleibt der Mensch in seiner Suche nach Zweisamkeit, nach Nähe und Liebe doch ein bemitleidenswertes Geschöpf. Alle diese Paare suchen den Einzigen, und alle sind sie auf dem Weg zur nächsten Liebschaft. Keiner, der nicht fragt: "Liebst du mich?" oder "Hast du noch wen anders gern?", alle hoffen, wenigstens so ein bisschen einzigartig zu sein.

Und alle werden sie enttäuscht, alle hinterher müde, viele schlafen ein - der Gatte bekommt zur Gaudi des weiblichen Publikums kaum noch ein Wort heraus, bevor er einpennt. Auch sind alle unter Zeitnot, müssen zur Arbeit, zum nächsten Termin oder einfach rasch den oft so deprimierenden Tatort verlassen. Getrieben von der Hoffnung, dass, wenn sie heute das Glück noch nicht gefunden haben, es wenigstens morgen kommt. Oder übermorgen. Oder nächste Woche.

Wieder 19., 23., 31.1., 6., 21., 21.2., 31.3.

Kartentel. 0351/ 491 35 55




Freitag, 16. Januar 2009

oscar - ein missverständis in drei akten von claude magnier - deutsch sorbisches volkstheater bautzen; sonnabend, 17.1.2009; 19.30 uhr








deutsch Hauptbühne, großes Haus
Premiere: 5. 12. 2008


Regie: Peter Kube a.G.


Bühnenbild: Jens Büttner a.G.


Kostüme: Annette v. Bodecker-Büttner a.G.


Darsteller:


Thorsten Köhler
Gabriele Rothmann
Lisa Jakscht
Mirko Brankatschk
Lilli Jung
Benjamin Kneser
Petra-Maria Wenzel
Marie-Luise Lukas
Jan Mickan


Musikalische Einrichtung: Tasso Schille


Diese Komödie von Claude Magnier (1920-1983) machte Louis de Funes Ende der fünfziger Jahre auf den französischen Bühnen berühmt. Im Jahre 1967 wurde "Oscar" mit Funes in der Hauptrolle verfilmt und international gefeiert.
Seifenfabrikant und Familienvater Barnier wird eines morgens von seinem Angestellten Albert Leroi unangenehm überrascht. Der junge Mann will nicht nur eine drastische Gehaltserhöhung, sondern er gesteht seinem Chef auch noch, dass er eine Riesensumme aus dem Firmengewinn unterschlagen hat und dass er außerdem ein Verhältnis mit Barniers Tochter hat, die er nun zu heiraten gedenkt. Der Chef ist geschockt, weil bis dahin völlig ahnungslos.
Das Töchterchen gesteht fröhlich und erfindet gleich noch eine Schwangerschaft, um den Gang der Dinge zu beschleunigen. Dann stellt sich heraus, dass das Mädchen, das Albert heiraten will gar nicht die Tochter des Hauses ist, sondern sich lediglich dafür ausgegeben hat. Die echte Tochter liebt den Chauffeur, was die Sache für den Vater auch nicht besser macht, weil er den vor drei Tagen entlassen hat und der sich aus Verzweiflung zur Fremdenlegion gemeldet hat. Als Albert mit dem Koffer, der die unterschlagenen Millionen enthält. wieder auf der Bildfläche erscheint, tritt auch das Hausmädchen mit dem gleichen Koffermodell auf.
Sie hat sich den von Barnier gewünschten Schwiegersohn, einen Baron, gekapert und will nun das Haus verlassen. Beim Abgang verwechselt sie natürlich die Koffer - die Millionen sind weg und das Chaos erst einmal perfekt...
Bis sich zu guter Letzt alles zum Happy End zusammenfinden kann, kommt noch ein dritter Koffer und eine alte Liebe ins Spiel. Die Lachmuskeln des Publikums werden aufs Äußerste strapaziert - zumal Peter Kube vom ZWINGERTRIO Regie führt



Mittwoch, 14. Januar 2009

rainald grebe und die kapelle der versöhnung "1968" trailer und alle tracks


rainald grebe & die kapelle
der versöhnung 1968


tracks



01 1968




02 Zeitmaschine




03 Es Gibt Kein Richtiges Leben Im Falschen




04 Raucher




05 Wellnesshotel




06 Die Ratte




07 Der Praesident




08 Als Ich Jung War

09 Die 90er




10 Kenn Ich Kann Ich




11 Sag Wir Zu Mir




12 Alles Wird Einfacher




13 Lsd



sz-online - roibusch für alle!


 


sz-online, 13.01.2009:

roibusch für alle!

Von heinrich löbbers



Der Musik-Komödiant Rainald Grebe erregte sich inDresden über Alt-68er und Bionade-Biedermeier.

Und das soll lustig sein? Wie ein erwachsener Mann ein Kondom über den Kopf zieht und aufbläst. Wie er sich eine Langhaar-Perücke aufsetzt oder eine Stoffhuhn-Mütze. Oder wie der Schlagzeuger einen Pferdekopf trägt oder einen Stoffhasen als Haschisch-Pfeife missbraucht. Hahaha.

Klamauk, Klimbim, Killefit. Normalerweise. Die Mätzchen, die Rainald Grebe auf der Bühne treibt, sind mehr: grober Unfug mit tieferer Bedeutung. Sein Nonsens ist nur so absurd wie das stinknormale Leben. Grebe ist kein Blödelbarde, vielmehr ein bitterbös-bissiger Beobachter, der die Abgründe des Alltags besingt. In Liedern, die so grotesk wie genial sind. Mit Texten, die aus Phrasen, Fetzen, Zitaten und Geistesblitzen gepuzzelt sind.

Pangasius und Kinderyoga

Mit seiner zweiköpfigen "Kapelle der Versöhnung" stellte Grebe am Sonntag das ausverkaufte Dresdner Schauspielhaus auf den Kopf. Es war ein Fest fürs Zwerchfell, ein Ritt durch die Zeit zwischen 1968, als "Revolution bei Vollbeschäftigung" gemacht wurde, und 2050, wenn in Sachsen die krossen Mädchen auf Palmen wachsen werden.

Der Herr Grebe, Jahrgang 1971, saß in karierter Weste auf einer leeren Kiste Jever-Pils und klagte: "Die 68er sind an allem schuld." Denn: "Vorher waren alle froh, da waren auch alle hetero." Was Grebe aufspießt, gibt er der Lächerlichkeit preis. Aber er zielt nicht auf die Mächtigen, wie es Polit-Kabarettisten bevorzugen, noch auf die prollige Unterschicht, wie es viele Fernseh-Comedians mögen. Grebe trifft die Mitte, sein eigenes Publikum, und zwar in die Magengrube. Die Spießer von heute sind für ihn die "Bionade-Biedermeier", die beim Bügeln Klezmer hören, Pangasius-Filet essen und ihre Töchter zum Kinderyoga schicken. Roibusch für alle!, heißt ihre Parole. Grebe stellt fest: "Rock'n'Roll sieht anders aus."

Der Osten hat's dem gebürtigen Kölner angetan. Thüringen hat besungen ("Das Land ohne Prominente"), Brandenburg ("Ich fühl mich so leer, ich fühl mich Brandenburg) und Mecklenburg. ("Arm wie eine Tüte Sand"). Als Zugabe gab's nun in Dresden das Sachsen-Lied: "Kennst du das Land, wo die Datteln wachsen? Das ist Sachsen!" Klimawandel hat nämlich auch Gutes: Chianti aus Chemnitz und Bordeaux aus Bautzen.




Sonntag, 11. Januar 2009

Freitag, 2. Januar 2009

der steppenwolf

02.01.2009 – 20.00 Uhr - Staatsschauspiel Dresden – Kleines Haus

Hermann Hesse
Der Steppenwolf
Regie: Matthias Gehrt

Da ist einer, der mit der Welt, so wie sie ist, nicht mehr zurecht kommt. Harry Haller. Alles erscheint ihm sinnlos. Sein Leben, sein Schreiben, früher einmal Zentrum seiner Auseinandersetzung mit der Zeit und einer Gesellschaft, die Ziele verfolgt, die ihm unerträglich geworden sind. In der Mitte seines Lebens ist er in der Krise, ist er »zwischen die Zeiten geraten«. Harry Haller, der von sich glaubt, eigentlich ein Steppenwolf zu sein. Heimatlos irrt er durch die Städte – auf der Suche nach Orientierung. Da läuft Haller ein Mann über den Weg, der ihm ein Geschenk macht: das »Tractat vom Steppenwolf. Nicht für Jedermann. Nur für Verrückte«. Und er begegnet einer Frau, die ihm eine unheimliche, eine faszinierende Welt eröffnet. So beginnt Harry Hallers Reise zu sich selbst...»Der Steppenwolf« ist seit seinem Erscheinen 1927, ungeachtet des Alters der Hauptfigur Haller, besonders für Jugendliche immer wieder zum Bekenntnisbuch geworden. Weltweit ist Hermann Hesse noch vor Goethe oder Schiller der am häufigsten gelesene deutsche Autor.
Spieldauer: 1 Stunde 40 Minuten (keine Pause)

Bühne: Gabriele Trinczek
Kostüme: Joachim Herzog
Dramaturgie: Karla Kochta
Musik: Thomas Mahn

Es spielen
Harry Haller: Lars Jung
Vermieter: Thomas Martin
Professor Goethe Fremder Richter: Holger Hübner
Pablo Mozart: Michael Schrodt
Hermine: Evamaria Salcher
Maria Tractat-Verkäufer: Sascha Özlem SoydanGäste Hotel Balance Gäste Maskenball: Komparserie des Staatsschauspiels
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Donnerstag, 1. Januar 2009

das ganze im haus der sz

 

 

 
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